Herkunftsempfehlungen

Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen unserer Wälder hängen weitgehend von der richtigen Wahl standortsgemäßer Baumarten und Herkünfte ab. Herkunftsgerechtes Saat- und Pflanzgut steht am Beginn waldbaulichen Handelns.

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Das AWG erarbeitet für das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die bayerischen Herkunftsempfehlungen.

Sie sollen den Waldbesitzer bei der Auswahl der geeigneten Herkunft beraten und es den Forstsamen- und Forstpflanzenbetrieben erleichtern, ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen zu können.

Die Verwendung von Vermehrungsgut geeigneter Herkunft nach den Herkunftsempfehlungen ist die Grundlage für die Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes in Bayern (Art. 18 und 19 BayWaldG); für die Bewirtschaftung von Wäldern, die nach PEFC zertifiziert sind und die Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln nach der Richtlinie für Zuwendungen zu waldbaulichen Maßnahmen im Rahmen des Förderprogramms (WALDFÖPR).
Die Herkunftsempfehlungen beinhalten nur Baumarten, die dem FoVG unterliegen.

Auszüge aus den Herkunftsempfehlungen

Einführung

1.1 - Allgemeine Grundsätze
Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen unserer Wälder hängen weitgehend von der richtigen Wahl standortsgemäßer Baumarten und Herkünfte ab. Herkunftsgerechtes Saat- und Pflanzgut steht am Beginn waldbaulichen Handelns.
Natürliche Verjüngung erfüllt diese Forderungen dann bestmöglich, wenn der Ausgangsbestand die notwendigen Voraussetzungen bezüglich Baumartenzusammensetzung sowie deren genetischer Veranlagung bietet. Wo diese Voraussetzungen nicht oder nur bedingt gegeben sind, ist die bedarfsgerechte Versorgung der Waldbesitzer mit geeigneten Herkünften forstlichen Vermehrungsgutes für künstliche Verjüngungsmaßnahmen eine wesentliche Voraussetzung für einen zielgerichteten Waldbau.

Die nachstehenden Empfehlungen wurden vom damaligen Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (jetzt AWG) erarbeitet. Sie sollen den Waldbesitzer bei der Auswahl der geeigneten Herkunft beraten und es den Forstsamen- und Forstpflanzenbetrieben erleichtern, ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen zu können.
1.2 - Rechtsgrundlagen
  • Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG)
    vom 22.05.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 32 S. 1658)
  • Forstvermehrungsgut-Herkunftsgebietsverordnung (FoVHgV)
    vom 07.10.1994 (BGBl. 1994 I Nr. 86 S. 3578, BGBl. 2003 I Nr. 8 S. 238)
  • Forstvermehrungsgut-Zulassungsverordnung (FoVZV)
    vom 20.12.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 88 S. 4721)
  • Forstvermehrungsgut-Durchführungsverordnung (FoVDV)
    vom 20.12.2002 (BGBl. 2002 I Nr. 88 S. 4711)
  • Verordnung zur Durchführung des Forstvermehrungsgutgesetzes (DVFoVG)
    vom 04.06.2003 (GVBl. 2003 S. 371), zuletzt geändert am 16.06.2005 (GVBl. 2005, S. 220)
1.2.1 - Kartenmaterial
Die Nutzung der bundesweiten Herkunftsgebietskarten erfolgt mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

GENRES - Informationssystem Genetische Ressourcen Externer Link

Die Herkunftsgebietskarten der Länder Österreich, Ungarn und Slowakei können im Internet unter folgenden Adressen abgerufen werden:
1.3 - Baumarten, die dem FoVG unterliegen
Botanischer NameDeutscher NameBaumarten-Ziffer
Abies alba Mill.Weißtanne827
Abies grandis Lindl.Große Küstentanne830
Acer platanoides L.Spitzahorn800
Acer pseudoplatanus L.Bergahorn801
Alnus glutinosa (L.) Gaertn.Schwarzerle802
Alnus incana (L.) MoenchGrauerle803
Betula pendula RothSandbirke804
Betula pubescens Ehrh.Moorbirke805
Carpinus betulus L.Hainbuche806
Castanea sativa Mill.Esskastanie808
Fagus sylvatica L.Rotbuche810
Fraxinus excelsior L.Esche811
Larix decidua Mill.Europäische Lärche837
Larix eurolepis HenryHybrid-Lärche838
Larix kaempferi (Lamb.) Carr.Japanische Lärche839
Picea abies (L.) Karst.Fichte (Gemeine Fichte)840
Picea sitchensis (Bong.) Carr.Sitkafichte844
Pinus nigra Arnold
- var. austriaca
Schwarzkiefer847
Pinus nigra Arnold
- var. calabrica
Schwarzkiefer848
Pinus nigra Arnold
- var. corsicana
Schwarzkiefer849
Pinus sylvestris L.Waldkiefer (Gemeine Kiefer)851
Populus spp.Pappeln900
Prunus avium L.Vogelkirsche814
Pseudotsuga menziesii (Mirb.) FrancoDouglasie853
Quercus petraea (Mattuschka) Liebl.Traubeneiche818
Quercus robur L.Stieleiche817
Quercus rubra L.Roteiche816
Robinia pseudoacacia L.Robinie819
Tilia cordata Mill.Winterlinde823
Tilia platyphyllos Scop.Sommerlinde824
1.4 - Erläuterungen zu den Herkunftsempfehlungen
Die Herkunftsempfehlungen gründen auf den Ergebnissen jahrzehntelanger Forschungsarbeiten zur Genetik der Waldbäume und den in über 200 Jahren gesammelten Erfahrungen der forstlichen Praxis.
Soweit bereits fundierte Erkenntnisse vorlagen, wurde bei der Überarbeitung der Herkunftsempfehlungen auch dem beobachteten Klimawandel Rechnung getragen.

Sie sind für jede Baumart gegliedert in:

Allgemeiner Teil

  • Neben der heutigen Verbreitung, der Rückwanderungsgeschichte und den Standortsansprüchen werden Erkenntnisse genetischer Untersuchungen, Ergebnisse aus Herkunftsversuchen und Nachkommenschaftsprüfungen kurz beschrieben sowie die Anzahl der Herkunftsgebiete in Bayern angegeben.

Herkunftsgebietskarten Bayern und Deutschland

    Herkunftsgebiete in Bayern

    • Für die bayerischen Herkunftsgebiete werden die entsprechenden ökologischen Grundeinheiten aufgeführt. Deren genaue Grenzen finden sich unter Punkt 4. Zudem sind bei den Herkunftsgebieten kurze Anmerkungen zu den klimatischen und standörtlichen Gegebenheiten aufgeführt, die für die Herkunftsempfehlungen relevant sind.
    • Die Herkunftsgebiete außerhalb Bayerns, aus denen Ersatzherkünfte stammen können, sind aus den bundesweiten Herkunftsgebietskarten der entsprechenden Baumarten ersichtlich.

    Herkunftsempfehlungen

    • Bis auf wenige Ausnahmen ist für jedes Herkunftsgebiet das aus diesem Gebiet stammende Vermehrungsgut zu bevorzugen. Erst wenn kein entsprechendes Material aus dem Herkunftsgebiet vorhanden ist, soll auf Ersatzherkünfte ausgewichen werden.
    • Bei den Kategorien ist folgende Rangfolge zu beachten: „geprüft“ - „qualifiziert“ - „ausgewählt“
    • Bei der Kategorie „geprüft“ wurde die Überlegenheit der Nachkommen aus der Ernteeinheit in Feldversuchen nachgewiesen. Die Kategorie „qualifiziert“ stammt aus Samenplantagen, die Kategorie „ausgewählt“ aus nach phänotypischen Kriterien ausgewählten Erntebeständen. Aufgeführt ist nur die Kategorie, die unserer Kenntnis nach zur Zeit im entsprechenden Herkunftsgebiet verfügbar ist. Höherwertige Kategorien dürfen selbstverständlich verwendet werden.
    • Bei Empfehlungen von geprüften Beständen aus anderen Bundesländern ist die Abkürzung des Bundeslandes in Klammern angegeben. Bei Empfehlungen von Herkünften aus anderen EU-Mitgliedsstaaten werden die entsprechenden nationalen Bezeichnungen der Herkunftsgebiete verwendet.
    1.5 - Verbindlichkeit
    Die Herkunftsempfehlungen für forstliches Vermehrungsgut in Bayern wurden vom ehemaligen ASP Teisendorf nach den Erkenntnissen der Forschung und den Ergebnissen von Feldversuchen aktualisiert, dem Bayerischen Gutachterausschuss für forstliches Vermehrungsgut (LGAF) vorgelegt und nach Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten umgesetzt.

    Die Verwendung von Vermehrungsgut geeigneter Herkunft nach den Herkunftsempfehlungen ist

    • die Grundlage für die Bewirtschaftung des Staats- und Körperschaftswaldes in Bayern (Art. 18, 19 BayWaldG)
    • die Grundlage für die Bewirtschaftung von Wäldern, die nach PEFC zertifiziert sind (Standard 4.2.PEFC)
    • die Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln nach der Richtlinie für Zuwendungen zu waldbaulichen Maßnahmen im Rahmen eines Förderprogramms (WaldFöP, Ziffer 4.1.1)
    In begründeten Einzelfällen kann das AWG als Landesstelle in Absprache mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Änderungen oder Ausnahmen zulassen
    1.6 - Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen
    AELFAmt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
    ASPBayerisches Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht
    DKVGütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut e.V.
    FoAForstamt
    GEÖkologische Grundeinheit
    HKGHerkunftsgebiet
    PEFCProgramme for the Endorsement of Forest Certification Schemes
    SHKSonderherkunft
    SPLSamenplantage
    WGWuchsgebiet
      
    BWBaden-Württemberg
    HEHessen
    NINiedersachsen
    NWNordrhein-Westfalen
    SHSchleswig-Holstein
    SNSachsen

    Ökologische Grundeinheiten in Bayern

    Auf der Basis der in Deutschland ausgeschiedenen Wuchsgebiete (z.T. auch Wuchsbezirke) wurden unter Berücksichtigung standörtlicher und geobotanischer Kriterien für die gesamte Bundesrepublik 46 ökologische Grundeinheiten ausgewiesen. Aus diesen sind für die einzelnen Baumarten - entsprechend ihrer Verbreitung und Bedeutung sowie anhand phänotypischer und genetischer Merkmale - unterschiedlich große Herkunftsgebiete gebildet worden.

    Grundeinheiten mit großer vertikaler Gliederung unterteilen sich zusätzlich nach der Höhe. Da sich die Lage gleicher Höhenstufen klimatisch betrachtet von Norden nach Süden bzw. von Westen nach Osten nach oben verschiebt, variieren die Höhengrenzen zwischen den Grundeinheiten. Deshalb gibt es in Einzelfällen auch innerhalb eines Herkunftsgebietes unterschiedliche Höhengrenzen.

    Ökologische Grundeinheiten im PDF-Format zum Download pdf 850 KB

    FoVG-Baumarten

    Kontakt

    • Dr. Alwin Jaßen
      Leiter der Landesstelle
      Tel.: +49 (0) 8666 9883-13
      Mobil: +49 (0) 173 8642464

      Michael Luckas
      Geschäftsführung Landesstelle
      Tel.: +49 (0) 8666 9883-25
      Mobil: +49 (0) 175 7251190

    • E-Mail:

      poststelle@awg.bayern.de

    Interaktive Karten