Hintergrund ist der wachsende Bedarf an hochwertigem, herkunftsgesichertem forstlichen Vermehrungsgut. Gemeinsam mit Vertretern der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und dem Bereichsleiter Forsten des AELF Krumbach haben Dr. Joachim Hamberger, Rebekka Stüwe und Muhidin Seho vom Amt für Waldgenetik (AWG) die künftige Fläche des Samenplantagenzentrums besichtigt.

v.l.n.r. Stefan Friedrich (AELF Krumbach), Rebekka Stüwe, (AWG), Joachim Hamberger (AWG), Sebastian Höllerl (BaySF), Muhidin Seho, (AWG), Rasmus Ettl (BaySF), Andreas Ludwig (BaySF), Walter Hermann Saul (BaySF), Ludwig Hankele (BaySF)
Das AWG verfügt derzeit über 55 Samenplantagen, langfristig wird ein Ausbau auf rund 100 Plantagen angestrebt. Gemeinsam mit den BaySF ist dafür eine Kooperationsvereinbarung zur Anlage von etwa 50 weiteren Samenplantagen vorgesehen. Statt vieler kleiner Einzelflächen soll nun ein größeres, zusammenhängendes Zentrum mit etwa 20 bis 25 Hektar im Attenhauser Wald entstehen.
Für den Standort Attenhauser Wald sprechen mehrere fachliche und praktische Gründe. Zum einen liegt der Wald im Staubereich der Alpen mit überdurchschnittlich hohen Niederschlägen. Gerade mit Blick auf die künftig deutlich wärmeren und trockeneren Klimabedingungen ist eine gute Wasserversorgung von Samenplantagen besonders wichtig. Samenplantagen können erst nach Jahrzehnten in vollem Umfang geerntet werden, weshalb gerade hier eine zukunftsorientierte Herangehensweise erforderlich ist.
Weitere Vorteile des Standorts sind die gute Erschließung des Gebietes, kurze Wege für Pflege und Ernte sowie einige vorhandene Borkenkäfer-Kahlflächen, die positiv genutzt werden können. Im Gebiet dominiert (noch) die Fichte, das hat den positiven Effekt, dass unerwünschte Fremdbestäubungen der Samenplantage vermieden werden. Denn die Artreinheit des gewonnenen Saatguts ist von zentraler Bedeutung, deshalb gilt auch ein gesetzlicher Mindestabstand von 400 Metern zu hybridisierungsfähigen und minderwertigen Individuen der gleichen Art.
Samenplantagen sind gezielt angelegte Bestände aus ausgewählten Klonen oder Sämlingen, die ausschließlich der Saatgutproduktion dienen. Hier werden überwiegend veredelte Pflanzen genutzt, die zum einen genetisch gesichert sind und zum anderen deutlich früher Früchte tragen als aus Samen gewonnene Pflanzen.
Die Etablierung von Samenplantagen ist gerade in der Anfangsphase besonders kostenintensiv. Gleichzeitig haben etablierte Samenplantagen langfristig ein sehr hohes wirtschaftliches Potenzial.
Die Bündelung vieler Plantagen an einem Ort erleichtert künftig Pflege, Kontrolle und Ernte erheblich und ist damit ein wichtiger Schritt, um die Versorgung mit geeignetem Saatgut für den klimastabilen Waldumbau langfristig zu sichern.