Seltene Baumarten in Bayern
Die Schwarzpappel

Schwarzpappeln

Die Schwarzpappel (Populus nigra) verfügt über ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das sich über ganz Europa mit Ausnahme der nördlichen Bereiche und West- und Zentralasien erstreckt. Im Süden werden Teile von Nordafrika, die Türkei und der nördliche Iran besiedelt. Als typische Auwaldbaumart besiedelt sie die Auenwälder entlang der größeren Flüsse.

Sie bevorzugt Standorte im Übergang von der Weichholz- zur Hartholzaue. Für die natürliche Verjüngung sind flussdynamische Prozesse, bei denen besiedlungsfähige Rohböden entstehen, wichtig. Denn nur hier haben die meist nur wenige Tage überlebensfähigen Samen eine Chance zu keimen und sich zu etablieren.
Die Hauptvorkommen in Deutschland sind die großen Flüsse Oder, Elbe, Rhein, Donau, Isar und Inn sowie der Neckar und kleinere Zuflüsse der Fulda, Werra und Saale im mittleren Deutschland. Im Bundesgebiet konnten über 50.000 Schwarzpappeln kartiert werden.

Verbreitung in Bayern

In Bayern wurden fast 16.000 Schwarzpappeln kartiert. Die Verbreitungsschwerpunkte befinden sich am Inn und seinen Zuflüssen Salzach, Alz und Rott, an der unteren Isar sowie entlang der Donau und des unteren Lechs. Kleinere Vorkommen findet man auch am Main zwischen Würzburg und Lichtenfels. Die Höhenverbreitung erstreckt sich von 200 bis 600 m mit einem Schwerpunkt bei 300 bis 400 m (mehr als 70 %).

Gefährdung und Erhaltungsmaßnahmen

Der Schwarzpappelbestand in Bayern ist derzeit nicht akut gefährdet. Wegen seiner Überalterung und geringen Naturverjüngungsanteile sowie den gravierenden Veränderungen in den Flusssystemen aufgrund vielfältiger Baumaßnahmen ist langfristig mit einem starken Rückgang der vorhandenen Populationen zu rechnen. Künstliche Wiedereinbringungsmaßnahmen vor allem entlang des Mains, des Lechs und der Donau sind daher dringend erforderlich.
Die Hybridisierungsgefahr mit Kulturpappeln ist vorhanden, allerdings nicht so gravierend, wie bisher angenommen. Dennoch sollten in erhaltungswürdigen Schwarzpappelpopulationen die Kulturpappeln eingeschlagen werden, um einer Vermischung vorzubeugen.

Die künstliche Einbringung ist wegen der Empfindlichkeit der Schwarzpappel schwieriger als bei Kulturpappeln. Die Beseitigung der verdämmenden Auenvegetation und die Verwendung von Steckruten oder Setzstangen sowie von bewurzelten Topfpflanzen wird empfohlen. Die Größe der Kulturflächen sollte mindestens Truppgröße betragen.

Zur Verbesserung des Pflanzangebotes wurden in Bayern mehrere Erntebestände für die Schwarzpappel gemäß Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) ausgewiesen, genetisch auf Artreinheit überprüft und beerntet. Somit ist geeignetes autochthones Pflanzgut aus Bayern am Markt verfügbar. Zudem wird vegetatives Pflanzgut aus Stecklingsvermehrung vor allem für das nördliche Bayern angeboten. Empfohlen wird das genetisch überprüfte Material aus dem Schwarzpappel-Mutterquartier Laufen (Erhaltungs-Mutterquartier), das über die Baumschulbranche verfügbar ist. Auf die genauen Angaben zur Herkunft sollte Wert gelegt werden.

Weiteren Informationen zur Schwarzpappel in Bayern:

LWF Wissen 64 - Die Bayerischen Schwarzpappelvorkommen Externer Link